Diese luxemburgische Familie steht total auf Schach

Familienbande XXL: Gleich mit vier Mitgliedern sind die Burdots bei den Sparkassen Open angetreten. Sie sind extra von Luxemburg nach Dortmund angereist. Für die teils langen Fahrten sind sie gut gerüstet.

Die Sparkassen Open ziehen naturgemäß viele Spieler an – aber selten ist gleich eine ganze Familie da, um Schach zu spielen. Anders ist es bei Familie Burdot aus Luxemburg. „Wir sind bereits zum zweiten Mal hier“, erzählt Vater Yves. Gemeinsam mit Tochter Clara (14) und Sohn Louis (12) tritt er im B-Turnier an; sein Sohn Yvan (9) ist im C-Turnier zu finden.

Vater Yves ist Autodidakt

Zum Schach gekommen sind die Kinder durch ihren Vater Yves. „Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht. Die Kinder bekommen aber Training, unter anderem per Skype durch Alexej Litwak“, so der 42-Jährige. Er hat ihnen auch das Turnier in Dortmund empfohlen. Alle vier sind sie Mitglieder des luxemburgischen Schachvereins De Sprenger Echternach. Vater Yves, der Zeitgenössische Kunst und Archäologie studiert hat, arbeitet als Landschaftsgärtner.

„Mein Vater hat mich in seinen Schachclub mitgenommen, als ich fünf war“, erinnert sich Louis. „Ich wollte unbedingt eintreten, was aber erst mit sechs ging.“ Seitdem hat er sein Spiel kontinuierlich weiterentwickelt. Bei Meisterschaften und Turnieren findet man ihn regelmäßig. Sein Bruder Yvan hat mit drei Jahren begonnen Schach zu spielen. „Als Louis mit sechs anfing, wollte ich auch unbedingt in den Club. Der Trainer hat zugestimmt, aber nur unter der Bedingung, dass ich nicht zu laut bin“, erinnert er sich schmunzelnd. Clara spielt ebenfalls bereits seit mehreren Jahren Schach. „Ich habe etwa gleichzeitig mit Louis und Yvan angefangen“, erinnert sie sich.

Urlaub wird mit Schach verbunden

Bevorzugt geht es zu Jugendturnieren. „Da können die Kinder gegen Gleichaltrige spielen“, erklärt Yves. Vergangenes Jahr waren sie während der Sommerferien bei der EM in Riga. „Wir waren sieben Wochen unterwegs“, erinnert sich Yves. „Von den Sommerferien waren wir nur eine Woche zu Hause.“ Louis hat dieses Jahr sein Spiel verbessert. „Ich habe öfter gegen stärkere Spieler gewonnen“, freut er sich. Er hat aber auch schon Fußball im Verein gespielt. „Das möchte ich jetzt bald wieder.“

Neben dem Schach teilen die Familienmitglieder noch eine andere Leidenschaft: Sie machen gerne zusammen Musik. Auch hier liegt der Ursprung bei den Eltern, aber diesmal bei der weiblichen Hälfte: Mutter Nadja ist Musiklehrerin. „Ich bin oft bei den Reisen dabei, unterstütze sie und lerne von ihnen“, erzählt sie. Sie spielt auch Schach, aber mehr als Hobby. Kennengelernt haben sie und ihr Mann sich – natürlich – durch Schach. „Wir haben beide in Brüssel studiert“, erzählt sie. „Ich wollte Schach lernen und ein Freund stellte uns einander vor.“

Sparkassen Open kommen bei den Burdots gut an

Von dem Turnier ist die Familie sehr begeistert. „Man kann sich gut vorbereiten“, so Yves. Dass das Team alle Partien online stellt, findet er besonders toll. „Wir analysieren die Partien danach auch immer.“ Aber auch das Großmeisterturnier gefällt ihnen: „Louis ist jetzt Fan von Nepomniachtchi.“ Angereist sind die Burdots wie so oft mit dem Camper. „Wir übernachten auf dem Campingplatz im Revierpark Wischlingen und kommen mit dem Fahrrad hierher“, beschreiben sie. „Es ist toll, dass unsere ganze Familie Schach spielt“, findet Clara. „So können wir auf den Reisen immer gut gegeneinander spielen.“

2014 waren sie mit dem Camper in Norwegen unterwegs. „Louis fragte, ob wir wohl den Großmeister Magnus Carlsen sehen würden. Ich meinte: bestimmt nicht“, erinnert sich Nadja. „Dann kam eine SMS von meiner Mutter: „Weißt Du, dass morgen ein Turnier in Tromsø ist? Wir sind hingefahren und Louis hat Carlsen doch noch gesehen“, erzählt sie lächelnd.

„Meine Freunde finden die Reisen immer sehr interessant“, erzählt Clara. „Ein bisschen neidisch sind sie, wenn ich für die Turniere schulfrei bekomme“, ergänzt sie schmunzelnd. Unter ihren Freunden ist nur ein Mädchen, das auch Schach spielt. „Aber im Schachclub habe ich auch zahlreiche Freunde gefunden.“

Einen Nachteil hat das Leben in Luxemburg für die Burdots: „Für uns ist es etwas schwerer international zu spielen, da andere Länder im Schach viel stärker sind“, erklärt Yves. „Wir können uns in Luxemburg leicht qualifizieren, schneiden aber im Ausland oft schlecht ab.“ In Luxemburg gibt es nur drei Vereine, die sich für die Jugend engagieren. „Manchmal gibt es in einer Kategorie nur fünf oder sechs Teilnehmer“, ergänzt Clara.

Die nächsten Turniere für die Burdots folgen

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier – auf Familie Burdot trifft das definitiv zu. „In einer Woche spiele ich bei den Jugendmeisterschaften der Europäischen Union in Mureck in Österreich“, berichtet Louis. Beim Sparkassen Open kann er sich so gut darauf vorbereiten. Auch Clara misst ihr Können dann wieder mit anderen Schachspielern. Sie ist zeitgleich bei der EM in Bratislava (Slowakei).