So lernen Sie am besten Schach – von Kind an: Tipps von Turnierleiter Christian Goldschmidt

Alle Teilnehmer der Sparkassen Open können es – der Eine besser, der Andere weniger: Schach spielen. Doch wie ist der beste Weg, das Spiel zu erlernen? Und worauf sollte man achten? Turnierleiter Christian Goldschmidt kennt sich aus – und warnt vor häufigen Fehlern.

In der Regel beginnen angehende Spieler mit Schach im Kindesalter. Meistens erlernen sie die Spielregeln von Verwandten. „Bei mir waren es mein Vater und mein Onkel. Ich habe ihnen immer beim Schachspielen zugesehen und es mir so nach und nach angeeignet“, erinnert sich Christian Goldschmidt. Später geht der Kontakt mit Schach in der Schule weiter. „Bei mir war es teilweise exzessiv. Ich habe sogar während des normalen Unterrichts unter der Bank gespielt“, beschreibt er augenzwinkernd.

„Als ich in den 80er-Jahren anfing Schach zu spielen, gab es die ausgedehnte Jugendförderung noch nicht“, so Christian Goldschmidt. „Ich kam mit 14 in den Verein und war einer der Jüngsten. Heutzutage ist man mit 14 ja schon fast zu alt“, meint der Turnierleiter lächelnd. Mittlerweile wird Schach sogar schon in Kindergärten getragen. Und es gibt Grundschulen, die Schach als Lehrfach haben. „In nicht allzu ferner Zeit wird Schach ein richtiges Schulfach sein“, prophezeit Christian Goldschmidt. Bremen hat mit Unterstützung durch Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen, bereits damit angefangen, Schach in allen Schulen zu etablieren.

Kinder gehen anders an das Spiel heran

Kinder lernen Schach ganz anders als Erwachsene, erklärt der Jugendwart der Schachfreunde Brackel. „Sie haben bestimmte kognitive Fähigkeiten noch nicht. Man kann ihnen oft am Gesicht und vor allem am Blick ablesen, dass sie wie durch ein Guckloch nur einen bestimmten Teil des Brettes erfassen.“ Erwachsene nehmen dagegen das komplette Spielfeld wahr. Auch ist für Kinder oft jede Schachfigur gleichwertig. „Erwachsene verstehen sofort, dass etwa die Dame mehr Wert ist als ein Läufer“, gibt Christian Goldschmidt ein Beispiel. Erwachsene erfassen die wesentlichen Regeln in einer Stunde, während es bei Kindern ein paar Wochen dauern kann.

Kinder sind aber beileibe nicht immer im Nachteil. Zwar hätten Erwachsene, die zur gleichen Zeit anfangen zu lernen, zunächst einen Vorteil. „Nach einer gewissen Zeit werden die Kinder sie aber irgendwann überholen und besser spielen als sie“, so Christian Goldschmidt. Ein Selbststudium ist nichts für Kinder: „Sie brauchen Anleitung. Ein Erwachsener kann ein Buch in die Hand nehmen und es durchlesen“, beschreibt er den Unterschied.

Wie erkennt man ein gutes Schachbuch?

Apropos Buch: Für empfehlenswert hält Christian Goldschmidt „Das Schachspiel“ von Siegbert Tarrasch. „Das war mein erstes Buch; es wird immer noch aufgelegt. Es ist zwar bereits von 1931, aber bietet von Eröffnung bis Endspiel immer noch einen sehr guten Überblick.“ Auch „Die Endspieluniversität“ von Mark Dvoreckij ist sehr gut. Generell ist es hilfreich, sich von anderen beraten zu lassen. Von vielen Klassikern weiß man einfach, dass sie uneingeschränkt zu empfehlen sind. „Wenn ein Buch dagegen nur Varianten bringt, hat man meist nichts davon. Das kann eine Datenbank besser“, so Christian Goldschmidt. „Wenn der Titel zu viel verspricht, sind sie meist nicht mit Inhalt gefüllt. Ein gutes Schachbuch ist ein Buch, das man richtig ‚lesen‘ kann.“

Wenn man einem Verein zum Schachspielen beitreten möchte, ist es oft gut, einen mit vielen Angeboten zu wählen. „Das muss aber nicht so sein“, schränkt Christian Goldschmidt ein. „Manch einer schätzt die Atmosphäre in einem kleineren Verein mehr.“ Für Kinder ist dagegen ein größerer Verein besser, da sie dort meist bessere Chancen haben, gegen andere Kinder spielen zu können.

Das Wichtigste sind Übung und Praxis. „Nur durch Aufgaben lösen wird man kein Großmeister“, sagt Christian Goldschmidt. „Man muss den Wettkampf und die Herausforderung lieben. Und man muss lernen zu verlieren – und das mit Anstand. Man zieht die Konsequenzen aus seinen eigenen Fehlern.“ Die Fähigkeit, mehrere Züge vorauszusehen, ist wichtig. „Nur mit rechnen kommt man aber nicht weit. Man muss bestimmte Prinzipien erlernen. Fortschritte erreicht man oft, wenn man die eigenen Partien analysiert und die Fehler, die man gemacht hat. Dann merkt man schnell, wie man es in Zukunft besser machen kann.“