Offene Schachtage starten mit Preis für Schule

Großmeister und Einlaufkinder freuen sich auf den Start der Dortmunder Schachtage

Neun Tage lang dreht sich im Fritz-Henßler-Haus fast alles nur um Schach: Die Sparkassen Open haben im Rahmen des Sparkassen Chess-Meetings begonnen. 220 Spieler treten nach Schweizer System im Fritz-Henßler-Haus gegeneinander an.

Ruhig ist es in den Räumen des Sparkassen Open. Die Spieler, vor allem im C-Bereich viele Jugendliche, schauen konzentriert auf die vor ihnen liegenden Schachbretter, entspannen höchstens einen kurzen Moment, wenn der Gegner am Zug ist. Ab dem B-Turnier sind verstärkt Erwachsene zu finden. Natürlich schreiben alle Spieler ihre Partien mit.

Das ganze Fritz-Henßler-Haus an der Geschwister-Schoss-Straße 33 ist für die kommenden neun Tage ganz auf Schach eingestellt. Überall findet man Spieler, entweder in spannende Partien verwickelt, am Bücherstand nach passender Literatur suchend oder in Diskussionen vertieft, die nur ein Thema kennen: Schach natürlich. In der Cafeteria etwa unterhalten sich ein Trainer und sein Schüler über die beste Vorgehensweise beim Spiel. „Er spielt zu schnell“, sagt der Trainer zu Turnierleiter Christian Goldschmidt, der grade vorbeikommt. „Es kann helfen, über den gegnerischen Zug nachzudenken“, gibt Christian Goldschmidt als Tipp. „Man sollte überlegen: Warum macht der Gegner diesen Zug? Was verändert sich dadurch für mich? Was für Schlag- und Drohmöglichkeiten entstehen dadurch? Dann spielt man automatisch langsamer.“

Viele Open-Teilnehmer lassen es sich nicht nehmen und kommen zum offiziellen Start des Sparkassen Chess Meeting ins nahe gelegene Orchesterzentrum NRW an der Brückstraße 47. Dort haben sie freien Eintritt. Bis 22. Juli werden Wladimir Kramnik, Anish Giri, Ian Nepomniachtchi, Radosław Wojtaszek, Jan-Krzysztof Duda, Vladislav Kovalev, Georg Meier und Liviu-Dieter Nisipeanu gegeneinander antreten. Den ersten Zug führt traditionellerweise Bürgermeisterin Birgit Jörder für die Stadt aus.

Bei der Eröffnung verleiht das Organisationskomitee der Schachtage den Ferdinand-Fabra-Preis, benannt nach dem BVB-Trainer Ferdinand Fabra, der 1948 und 49 mit der Mannschaft Westdeutscher Meister wurde. Da er auch begeisterter Schachspieler war, wurde der Preis für Nachwuchsförderung, der seit 2008 verleihen wird, nach ihm benannt. „Wir zeichnen erfolgreiche Spieler oder Mannschaften damit aus“, erklärt Christian Goldschmidt. „Dortmund ist eine Schulschachhochburg.“ Diesjähriger Preisträger ist das Evinger Heisenberg-Gymnasium, das den Schachsport sehr eng in sein Schulprofil integriert hat.

„2015 haben wir mit zehn Spielern in zwei Mannschaften angefangen“, erinnert sich Schulleiter Franz-Josef Collete, der von der Ankündigung des Preises vor einigen Wochen ganz überrascht war. „Heute haben wir 33 Spieler, aufgeteilt auf sieben Mannschaften.“ Diese spielen teilweise in den zwei Schach-AGs und im offenen Angebot jeden Donnerstag. Unter anderem haben sie schon an den NRW-Meisterschaften teilgenommen. Und dieses Jahr erreichten sie bei den Stadtmeisterschaften einen ersten Platz. „In der Wettkampfklasse 4 wurden wir Stadtmeister“, ergänzt Schulsozialarbeiter Jörg Roth.

Eine enge Zusammenarbeit der Schule gibt es mit Rochade Eving. „Deren Trainer Werner Wilfried Jentzsch trainiert auch unsere Schüler“, freut sich Franz-Josef Collete. Gemeinsam mit Jörg Roth kümmert sich der Schulleiter um die Spieler. „Die Schüler sind sehr begeistert und eifrig dabei“, lobt er seine Schützlinge.

Nicht nur der Fußball kennt Einlaufkinder, auch beim Spiel der Könige gibt es diese schöne Tradition – zumindest in Dortmund. Jeder der acht Großmeister kam mit einem Nachwuchsschachspieler an der Hand auf die Bühne – auch Jan Nepomnjaschtschi, der heute seinen 28. Geburtstag feiert. Er hat Isabel an der Hand. „Es war sehr aufregend“, sagt die Achtjährige später, die auf die Aplerbecker Grundschule geht und regelmäßig Schach spielt, auch bei den Schachfreunden Brackel. Uri ist ebenfalls Einlaufkind. Der Neunjährige läuft mit Anish Giri an der Hand. „Wir haben uns in einer Reihe aufgestellt und dann wurden Fotos gemacht“, berichtet er. Er spielt bereits seit fünf Jahren Schach, ebenfalls bei den Schachfreunden Brackel.